Betriebsrat in Krisenzeiten. Habt Ihr keinen? Gründet Euch einen!

Redaktion 6. Mai 2020 0

Gute Interessenvertretung in Zeiten der Krise. Dann merkt man erst richtig, was man hat und wie wichtig ein kraftvoller Betriebsrat ist!

Wie lautet noch der erste Paragraph des Betriebsverfassungsgesetzes, zudem der wichtigste: In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständigen wahlberechtigten Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, werden Betriebsräte gewählt.

Fällt Euch etwas auf? Kein „kann“, kein „darf“ und auch kein „soll“. Kein Ermessensspielraum für findige Juristen und Arbeitsgerichte, die alle anderen so nerven, wenn die Rechte von Arbeitenden im betrieblichen Alltag durchgesetzt werden müssen.

Und das hat einen sehr guten Grund. In guten wie in schlechten Zeiten. In Zeiten einer globalen Corona-Krise ist die demokratische betriebliche Mitbestimmung der Belegschaft echtes Geld, guten Arbeitsschutz und Gesundheit wert.

Die Corona-Fragen und -Geschichten unserer Kolleginnen und Kollegen sind oft so haarsträubend. Oft kann man sie sich gar nicht ausdenken und möchte sie sich am liebsten gar nicht vorstellen. Darf der Chef verlangen, Minusstunden statt Kurzarbeit zu machen? Was passiert, wenn ich während der Kurzarbeit krank werde oder Urlaub habe? Darf der Chef mich zwingen, meinen Urlaub zu verbrauchen, bevor ich in Kurzarbeit gehe? Was passiert mit befristet Beschäftigten in der Kurzarbeit? Müssen bei Entlassungen Leiharbeitende als Erste gehen? Mit 60 % meines Nettoeinkommens kann ich nicht überleben und muss wohl wieder bei meinen Eltern einziehen. Der Arbeitgeber zahlt keinen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld und droht mit Betriebsschließung, falls wir darauf bestehen.

Was sollen wir Beschäftigten antworten, die uns ihre Sorgen, Nöte und Ängste schildern? Die traurig, entsetzt, wütend sind oder jede Hoffnung bereits aufgegeben haben und nur noch zynisch sind?

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst? Es gibt keine einfache Lösung, man kann sie nicht ordern, bezahlen und ins Haus liefern lassen. Die gute? Es gibt eine Lösung! Und die heißt: Selbst aktiv werden und sich mit anderen zusammenschließen, die in denselben Schwierigkeiten stecken. Dazu werden Betriebsräte gewählt. Die Arbeitenden wählen aus ihrer Mitte Kolleginnen und Kollegen zu ihrer betrieblichen Interessenvertretung. Ihr betriebliches Parlament, das als kollektives Gremium in allen wichtigen Fragen im Betrieb die Interessen der Arbeitenden vor dem Arbeitgeber vertritt. Keine Alleinherrschaft des Unternehmers mehr, Schluss mit der patriarchalen Gutsherrenart des Chefs. Und selbst wenn der Betrieb wie eine Familie zusammenhält, so kommt es doch auch in der eigenen Familie ab und zu zum Zoff, den man am besten basisdemokratisch und mit dem Willen zur Einigung lösen sollte.

Also: Was spricht denn noch gegen die Gründung eines Betriebsrats im eigenen Betrieb?

Zugegeben, mitten in der Krise damit anzufangen, ist etwas spät. Aber spät ist immer noch besser als nie!

Zugegeben, ein Betriebsrat kann keine Wunder vollbringen, aber kein Betriebsrat lässt auch die Chance dazu liegen. Betriebsrat kann Mitbestimmung. Und wenn der Betriebsrat von einer stark organisierten Belegschaft getragen wird, ist das verdammt viel. Erinnert Ihr Euch noch: Fragen zu Kurzarbeit, Corona, Arbeitsschutz, Home-Office oder Überstunden. Bei all diesen Fragen unserer Kolleginnen und Kollegen hätte die vereinzelte Meinung keine Chance, die gebündelte Betriebsmeinung aber sehr wohl. Und bei allen diesen Themen hätte der Betriebsrat ein starkes Recht, hätte mitbestimmen und mitentscheiden müssen. Wenn es denn einen Betriebsrat gäbe. Wenn sich die Beschäftigten organisiert und einen gewählt hätten.

Fällt Euch etwas auf? Nur „hätte“, „wäre“, „wenn“.

Keine Lust mehr auf ermüdende Einzelkämpfe, auf das übliche Nasenprinzip oder das Gefühl, nicht ernst genommen und nicht würdig behandelt zu werden? Wollt Ihr, dass Eure Interessenvertretung mit am Tisch sitzt, wenn über Fragen entschieden wird, die Eure betriebliche, berufliche und existenzielle Zukunft betreffen? Worauf wartet Ihr?

Werdet aktiv und gründet Euren Betriebsrat! Auch das ist kein Einzelkampf, wir als Eure Gewerkschaft stehen an Eurer Seite!

Wer, wie, wo und was? Fragen über Fragen, aber stellt sie! Wendet Euch vertrauensvoll an unsere Gewerkschaftssekretärin und Juristin Zanda Martens: zanda.martens@igmetall.de oder 02151-8163-34. 

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